In Düsseldorf bestellt man kein Bier, man bestellt ein Alt. Dunkel, obergärig, kräftig gehopft, in einem geraden Glas, das kleiner ist, als die meisten erwarten. Wer hier lebt, trinkt es. Wer hier lebt, weiß aber nicht unbedingt, warum es so heißt, wieso der Köbes ungefragt nachschenkt und was ein Sticke ist.
Zwanzig Fragen zu Brauart, Gläsern, Brauhäusern und Sonderbieren. Drei Antworten je Frage, eine stimmt. Die Auflösung steht unter dem Quiz, eingeklappt.
Die zwanzig Fragen
Auflösung: die Hintergründe im Einzelnen, erst nach dem Quiz öffnen
Warum es Altbier heißt
Nicht, weil es alt wäre. Der Name kommt von der alten Brauart. Als im 19. Jahrhundert die untergärigen Lagerbiere aus Bayern und Böhmen ins Rheinland kamen, brauchte das, was hier seit jeher gebraut wurde, einen Namen. Geprägt wurde der Begriff um 1800. Obergärige Hefe arbeitet bei 13 bis 19 Grad und braucht keine Kühltechnik, untergärige will es deutlich kälter. Die dunkle Farbe kommt vom Röstmalz, der Alkohol liegt bei vier bis fünf Prozent.
Das Glas und der Köbes
Das Alt kommt im geraden Becher mit 0,2 bis 0,25 Litern. Die kleine Menge ist kein Geiz, sondern Methode. So bleibt das Bier kalt und die Kohlensäure drin. Der Köbes verdankt seinen Namen einem Vornamen. Köbes ist die rheinische Kurzform von Jakob, so wie aus Josef ein Jupp wird. Im 18. und 19. Jahrhundert hießen in den Brauhäusern so viele Kellner Jakob, dass der Vorname zur Berufsbezeichnung wurde. Erkennen kann man ihn an der blauen Leinenschürze mit der Ledertasche. Ist das Glas leer, stellt er ungefragt ein volles hin. Wer das nicht will, legt den Bierdeckel auf das Glas. Das ist keine Höflichkeitsfloskel, das ist das Zeichen.
Die Brauhäuser
Vier alte Häuser prägen die Altstadt. Das Uerige an der Berger Straße trägt seinen Namen seit 1862, nach dem Wirt Wilhelm Cürten, den seine Stammgäste „uerig“ nannten, also schlecht gelaunt. Das Füchschen an der Ratinger Straße verdankt seinen Namen einem geschnitzten Fuchs, der früher die Hausnummer ersetzte. Dazu kommen Schumacher und Zum Schlüssel, das kleinste der vier. Das fünfte und jüngste Haus ist die Brauerei Kürzer, die 2010 aufgemacht hat.
Sticke, Latzenbier und der Rest
Das Uerige Sticke gibt es zweimal im Jahr, am dritten Dienstag im Januar und im Oktober. „Stickum“ heißt im Rheinischen heimlich. Schumachers Latzenbier kommt am dritten Donnerstag im März, September und November ins Glas. Und das Altbierlied von 1978 stammt von Hans Ludwig Lonsdorfer. Bundesweit bekannt wurde es erst 1986, durch die Fassung der Toten Hosen.
Alt und Kölsch
Die Frage, an der die meisten scheitern. Beide sind obergärig. Der Unterschied steckt im Malz, dunkel beim Alt, hell beim Kölsch und im Glas. Wer also glaubt, die Rivalität liege in der Gärung, liegt falsch. Sie liegt woanders.
Mehr zum Altbier
Wer es ausführlicher mag: Altbier: Warum es so heißt und wo man es trinkt erzählt dieselbe Geschichte in Ruhe. Alle Quizze stehen unter Quizzes, darunter vier zu Düsseldorf, zwei zur Fortuna und zwei zur DEG.
Quellen
- Uerige, Historie: die Brauerei nennt den 4. Januar 1862 als Tag, an dem Wilhelm Cürten das Haus übernahm, und den Spitznamen „der uerige Willem“
- Brauerei Schumacher: Gründung 1838, nach eigener Angabe die älteste Hausbrauerei Düsseldorfs, dazu die Latzenbier-Termine am dritten Donnerstag im März, September und November
- Im Füchschen, Geschichte: der geschnitzte Fuchs anstelle einer Hausnummer, der Name Füchschen Alt seit 1848 und die Familie König seit 1908
- Zum Schlüssel, Brauerei: Brauerei seit 1850, der Schlüssel des Stadttors als Namensgeber und die Familie Gatzweiler seit 1936
- Brauerei Kürzer: das jüngste Haus der Altstadt


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