Frisch gezapftes Düsseldorfer Altbier im geraden Becherglas

Altbier: Warum es so heißt, welche Sorten es gibt und wo man es trinkt

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Wer in Düsseldorf ein Bier bestellt, bekommt ein Alt. Dunkel, obergärig, kräftig gehopft. Und in einem geraden Glas, das kleiner ist, als die meisten erwarten.

Warum es Altbier heißt

Nicht, weil es alt wäre. Der Name kommt von der alten Brauart. Als die neuen untergärigen Lagerbiere aus Süddeutschland und Böhmen ins Rheinland kamen, standen in den Wirtschaften plötzlich zwei Sorten nebeneinander: das neue Bier und das alte. Der Name blieb am alten hängen. Geprägt wurde der Begriff um 1800.

Eine andere Erklärung hört man trotzdem immer wieder. „Alt“ komme vom lateinischen altus, also hoch und meine die obergärige Hefe, die während der Gärung nach oben steigt. Das klingt gelehrt und ist falsch. Mit dem englischen Ale ist das Wort ebenfalls nicht verwandt, obwohl beide dasselbe Brauprinzip bezeichnen. In manchen Dialekten wird aus dem Alt schlicht „dat aale Bier“.

Was Altbier ist

Obergärig heißt: Die Hefe arbeitet warm, bei 13 bis 19 Grad und sammelt sich dabei oben. Das ist die ältere Art zu brauen und sie kommt ohne Kühltechnik aus. Deshalb wurde jahrhundertelang so gebraut. Untergärige Hefe will es deutlich kälter, ungefähr vier bis neun Grad. Das ging erst, als es Eiskeller und später Maschinen gab.

Die Farbe kommt aus dem Malz. Münchner Malz wird bei rund hundert Grad gedarrt, dazu kommt ein Anteil dunkleres Röstmalz. Mit Lagerung hat das nichts zu tun, obwohl viele das vermuten.

Die Zahlen dazu sind überschaubar. Stammwürze 11 bis 12 Prozent, Alkohol 4 bis 5 Prozent, Bitterkeit 25 bis 40 Bittereinheiten. Zum Vergleich: Ein Pils liegt bei ähnlicher Bittere, schmeckt aber schlanker, weil ihm das dunkle Malz fehlt. Im Alt steht hinter dem Hopfen ein Karamellton und eine Spur Röstaroma. Wie kräftig es ausfällt, entscheidet jedes Haus für sich. Die Spanne zwischen einem milden und einem sehr herben Alt ist größer, als man denkt.

Alt und Kölsch

Die Frage kommt immer, meist mit einem Grinsen. Die Antwort ist unbequem: Alt und Kölsch sind näher verwandt, als beiden Städten lieb ist. Beide sind obergärig. Der Unterschied steckt im Malz, dunkel beim Alt, hell beim Kölsch und in der Filtration. Kölsch ist blank gefiltert, Alt nicht immer.

Beim Alkohol trennt die beiden fast nichts, rund 4,8 Prozent hier, 4 bis 5 Prozent dort. Auch das Glas ist verwandt: schlank, zylindrisch, klein. Die Kölner Stange fasst 0,2 Liter, der Düsseldorfer Becher 0,2 bis 0,25.

Ein echter Unterschied ist rechtlicher Art. Kölsch darf sich seit der Kölsch-Konvention von 1986 nur nennen, was in Köln und Umgebung gebraut wird. Für Altbier gibt es keine solche Regel. Es wird am Niederrhein, in Westfalen und anderswo gebraut und der größte Hersteller sitzt nicht einmal in Düsseldorf.

Das Glas und der Ausschank

Ausgeschenkt wird bei etwa sieben Grad, im geraden Becher mit 0,2 bis 0,25 Litern. Die kleine Menge ist kein Geiz, sondern Methode. So bleibt das Bier kalt, die Kohlensäure bleibt drin und der Köbes kommt öfter vorbei. Wer in einem Brauhaus einen halben Liter bestellt, macht sich nicht beliebt.

Der Köbes

So heißt der Kellner im Brauhaus, seit dem 19. Jahrhundert, in Düsseldorf wie in Köln, Bonn und Krefeld. Blaue Leinenschürze, umgeschnallte Ledertasche für das Geld. Der Name ist die rheinische Kurzform von Jakob, so wie aus Josef ein Jupp wird. Im 18. und 19. Jahrhundert hießen so viele Bedienungen Jakob, dass der Vorname zur Berufsbezeichnung wurde. Die hübschere Herleitung von den Jakobspilgern hält der Prüfung nicht stand.

Wichtiger ist ohnehin, was er tut: Ist das Glas leer, stellt er ungefragt ein volles hin. Wer das nicht will, legt den Bierdeckel auf das Glas. Das ist die ganze Zeichensprache und sie funktioniert seit Generationen.

Die Brauhäuser der Altstadt

Fünf Häuser brauen in der Altstadt selbst. Jedes hat sein eigenes Alt und jedes schmeckt anders.

  • Uerige, Berger Straße 1. Den Namen trägt es seit 1862, nach dem Wirt Wilhelm Cürten, den die Stammgäste „uerig“ nannten, also schlecht gelaunt. Gilt als das herbste der vier.
  • Füchschen, Ratinger Straße 28. Gebraut wird dort schon lange, unter dem Namen Füchschen Alt seit 1848. Der Name stammt von einem geschnitzten Fuchs an der Fassade, der früher die Hausnummer ersetzte. Seit 1908 in der Hand der Familie König.
  • Schumacher. Johannes Matthias Schumacher übernahm 1838 eine Brauerei an der Citadellstraße. Heute wird an der Oststraße und an der Bolkerstraße ausgeschenkt.
  • Zum Schlüssel, Bolkerstraße, seit 1850. Das kleinste der vier alten Häuser, seit 1936 in Familienbesitz der Gatzweilers.
  • Kürzer, Kurze Straße, seit 2010. Das jüngste Haus, das Alt kommt aus einem gläsernen Tank hinter dem Tresen.

Die ersten vier liegen wenige Schritte vom Marktplatz mit dem Reiterstandbild von Jan Wellem. Dazu kommen kleinere Adressen wie Johann Albrecht in Niederkassel oder der Alte Bahnhof in Oberkassel mit seinem Gulasch-Alt.

Altbier-Sorten und die großen Marken

Neben den Brauhäusern steht das Alt aus der Flasche. Wer nach Altbier-Sorten sucht, landet meist bei diesen Namen. Die bekanntesten Namen kommen nicht alle aus Düsseldorf.

MarkeSitzWofür sie steht
DiebelsIssum am NiederrheinSeit 1878, die größte Altbiermarke Deutschlands, zeitweise mit über der Hälfte des Marktes
BoltenKorschenbroichBeruft sich auf ein Braurecht von 1266 und gilt damit als älteste Altbierbrauerei der Welt
FrankenheimDüsseldorfAlte Düsseldorfer Marke, heute Teil eines großen Braukonzerns
SchlösserDüsseldorfEbenfalls traditionsreich und ebenfalls längst konzerngebunden
Gatz und HannenNiederrheinBekannte Namen, die 2022 zu Bolten gewechselt sind

Wer die Unterschiede schmecken will, braucht kein Fachwissen. Ein Uerige neben einem Diebels reicht völlig. Das eine ist deutlich herber, das andere runder.

Sticke und Latzenbier

Zweimal im Jahr braut das Uerige ein stärkeres Alt, das Sticke. Sechs Prozent statt fünf, mehr Malz, mehr Hopfen. Ausgeschenkt wird es am dritten Dienstag im Januar und im Oktober, so lange der Vorrat reicht. „Stickum“ heißt im Rheinischen heimlich. Für den Export in die USA gibt es zusätzlich ein DoppelSticke mit 8,5 Prozent.

Schumacher hat sein eigenes Starkbier, das Latzenbier, mit 5,5 Prozent. Es kommt am dritten Donnerstag im März, September und November ins Glas. Beide Biere werden oft in einen Topf geworfen. Es sind zwei verschiedene, von zwei verschiedenen Häusern.

Krefelder, Alt-Schuss, Altbierbowle

Alt mit Cola heißt Krefelder. Das funktioniert, weil Alt die Cola nicht zum Flocken bringt. Bei Pils passiert genau das nach wenigen Minuten. Alt mit Malzbier heißt Alt-Schuss. Und die Altbierbowle mischt Alt mit Fruchtsirup, Himbeeren und Erdbeeren. Sie ist süßer, als der erste Schluck vermuten lässt.

Das Altbierlied

1978 schrieb Hans Ludwig Lonsdorfer den Karnevalsschlager „… wo bleibt unser Altbier?“. Acht Jahre später nahmen die Toten Hosen ihn auf, später kamen Versionen von Tom Angelripper und vom Jazz Ensemble Düsseldorf dazu. Ein Bier, das ein eigenes Lied hat. Und zwar eines, das im Karneval bis heute mitgesungen wird.

Häufige Fragen

Was ist Altbier?

Ein dunkles, obergäriges Bier mit 4 bis 5 Prozent Alkohol, hauptsächlich am Niederrhein gebraut, mit Düsseldorf als Zentrum.

Ist Altbier obergärig oder untergärig?

Obergärig. Die Hefe arbeitet bei 13 bis 19 Grad und sammelt sich oben. Genau darauf bezieht sich das „Alt“ im Namen.

Wie viel Alkohol hat Altbier?

Vier bis fünf Prozent. Die Sonderbiere Sticke und Latzenbier liegen darüber, bei 5,5 bis 6 Prozent.

Warum ist Altbier dunkel?

Wegen des Malzes, nicht wegen der Lagerung. Münchner Malz und ein Anteil Röstmalz geben die Farbe.

Was ist der Unterschied zwischen Alt und Kölsch?

Beide sind obergärig. Alt ist dunkel, Kölsch hell und blank gefiltert. Der Rest ist Lokalpatriotismus.

Am Ende ist das Alt weniger ein Getränk als eine Art, einen Abend zu verbringen. Im Stehen, an einem Fass, neben Leuten, die man vorher nicht kannte. Wer wissen will, wie viel davon hängen geblieben ist: Im Altbier Quiz stehen zwanzig Fragen dazu. Und wie gut du dich in der Stadt drumherum auskennst, steht im Düsseldorf Quiz.

Quellen

  • Uerige, Historie: die Brauerei nennt den 4. Januar 1862 als Tag, an dem Wilhelm Cürten das Haus übernahm, und den Spitznamen „der uerige Willem“
  • Brauerei Schumacher: Gründung 1838, nach eigener Angabe die älteste Hausbrauerei Düsseldorfs, dazu die Latzenbier-Termine am dritten Donnerstag im März, September und November
  • Im Füchschen, Geschichte: der geschnitzte Fuchs anstelle einer Hausnummer, der Name Füchschen Alt seit 1848 und die Familie König seit 1908
  • Zum Schlüssel, Brauerei: Brauerei seit 1850, der Schlüssel des Stadttors als Namensgeber und die Familie Gatzweiler seit 1936
  • Brauerei Kürzer: das jüngste Haus der Altstadt

In welchem Veedel welche Straße liegt und wie hoch der Rhein gerade steht: Düsseldorf heute.


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